Joern – Riesling Schlossberg 2015

Rheingauer Condrieu

So wie Joern Goziewski macht niemand Wein. Ich habe zwar schon mehrfach (hier und im Rahmen meiner Arbeit für den Eichelmann Weinführer) über den Rheingauer Geheimtipp schlechthin berichtet, war aber der Meinung, dass dieser 2015er Schlossberg nochmal einen ganz eigenen Eintrag verdient hat. Denn für mich bringt kein Wein aus Joerns kleinem Sortiment seinen Stil so gut auf den Punkt wie dieser subtil angereifte Riesling, der so gar nicht wie Riesling schmecken möchte.

Das liegt vor allem daran, dass Joern mit seinen Trauben Dinge macht, die kein anderer Riesling-Winzer machen würde. Erst einmal setzt Joern ganz auf die Vollreife, lässt die Trauben lange am Stock hängen und liest seine trockenen Weine auch mal deutlich über 100 Grad Öchsle. Anschließend vergären die Weine über mehrere Monate auf der Maische und werden über 24 Monate auf der Vollhefe im Barrique ausgebaut. Die Kombination aus Maischegärung und langem Vollhefelager mag gewöhnlich klingen in Zeiten, in denen sogenannter Naturwein breit in die Branche eingesickert ist. Doch im Gegensatz zu fast allen Naturweinhipstern verwendet Joern neues Holz. Und zwar die röstigsten Heavy Toasts, die er in die Finger bekommen kann.

Die Kombination aus viel Holz, viel Gerbstoff und viel Alkohol hinterlässt einen wummsigen Wein, keine Frage. Doch kennt man seine Geschichte, wundert man sich, dass er nicht noch brachialer ist, dass hier jede Menge Eleganz und Trinkfluss im Spiel ist. Mit seinem Alkohol und seiner Orangenschalen-Aromatik erinnert Joerns Schlossberg weniger an einen Riesling als an einen Viognier aus Condrieu. Und der ist ja ebenfalls eher ein Elefant auf Schlittschuhen als eine schnittige Ballerina. Sogar der Alkoholgehalt von 15 Volumenprozent steht dem Riesling hier prächtig. Paradoxerweise schmeckt Alkohol im Wein hoch dosiert oft weniger alkoholisch, weil irgendwann die Süßkraft des Glycerin-Alkohols die Brandigkeit des Ethanol-Alkohols überwiegt. Alkoholischer Geschmack ist folglich immer eine Frage von Balance, nicht von Konzentration. Deswegen ist Joerns Schlossberg auch kein bisschen anstrengend, sondern durch Aromen von Zitrusschalen und Bitterorange und seine kräutrige Note trinkanimierend, fast wie ein Wermut. Wenn Joerns Weine nicht so rar und dieser mit ~100 Euro nicht so selbstbewusst bepreist wären, würde ich sogar in Erwägung ziehen, damit mal einen Negroni zu mixen. Und das ist als Kompliment gemeint!

Riesling Joern Schlossberg

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Paul Kern

Editor in Schieflage bei Champagner & Schorle

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